Türmerin von Münster

direkt vom turm gebloggt

Der Türmer im Männermagazin „Playboy“ 1981 (Turmstubenmagazin März 2019)

Unglaublich, aber wirklich wahr: In der Playboy-Ausgabe Nr. 2 vom Februar 1981 steht eine Geschichte über den Türmer auf St. Lamberti, hübsch platziert zwischen den sonst dort üblichen Nackedeis.

Es geht um diese Geschichte: „Der Türmer zu Münster – Roland Eugen Mehring ist das Fossil eines Aussteigers. Jede Nacht bläst er die vollen und die halben Stunden vom Turm der Kirche St. Lamberti“.

Geschrieben hat diesen Bericht der Autor und Journalist Rainer A(lexander) Krewerth (1943-2003), hier geht es zum Wikipedia-Eintrag über ihn: Klick!

Im selben Jahr schreibt Krewerth in einem Sonderdruck (Westfalenspiegel 10/1981, Stadt Münster, S. 12 ff.), dass sein ungewöhnlicher Artikel im „Playboy“ für allerlei Überraschungen gesorgt habe – „Tadel bis hin zur Schelte, Lob bis hin zur Überschwenglichkeit, schriftlich niedergelegt oder sogar (selten genug für einen Autor) fernmündlich und umständlich angebracht„.

Auf diesen Sonderdruck aufmerksam gemacht
hat mich übrigens Dieter C. –
besonders herzlichen Dank dafür!

Roland Eugen Mehring hieß der Türmer, der es zwischen die „knackigen Nuditäten der achtziger Jahre“ (Krewerth) geschafft hat, für mich ist der Philosoph unter den Türmern, über ihn habe ich hier berichtet: Klick!

Krewerth beschreibt die lange Tradition der münsterschen Türmer – die allesamt städtische Bedienstete waren, aber manchmal auch schwarze Schafe:

1627 – es tobte der Dreißigjährige Krieg durch das Land – handelte der damalige Amtsverwalter sich eine gebührenpflichtige Verwarnung ein. Er solle sich, hieß es, gefälligst bemühen, ‚in Zukunft des Nachts die Weiber vom Turm zu lassen, sich des Saufens zu enthalten und nüchtern die Wacht in acht zu nehmen.‘

Krewerth, Sonderdruck Westfalenspiegel 10/1981, S. 12

Auch Mehring habe, so munkeln Zeitzeugen, dem Rotwein manchmal sehr intensiv zugesprochen, indes: Weibergeschichten oder das amtlich verbotene Ausgießen des Nachtgeschirrs sind aus seiner Amtszeit (1960-1994) nicht bekannt.
Der Autor Krewerth lässt sich weiterhin darüber aus, dass ein Türmer heutzutage (sprich 1981) natürlich immer noch die Tradition pflege und mit Leben fülle, doch wenn es darum ginge, zu definieren, was unter der Feindeswacht zu verstehen sei…:

Doch was sind Feinde? Roland Eugen Mehring hat das niemand gesagt. ‚Ich bestimme also selber‘, folgert er, ‚wer Freund ist und wer Feind.‘

Krewerth, a.a.O., S. 13

Ebenfalls recht eigenwillig antwortete der Türmer laut Krewerth auf die Frage, warum er im Jahre 1981 denn immer noch einen Kalender von 1976 benutzte:

‚Auf die genauen Tage kommt’s mir nicht an. Warum soll ich den Kalender wegwerfen, wenn er doch gar nicht gebraucht worden ist!‘

ebda.

Eine wichtige Anmerkung meinerseits noch zu Rainer A. Krewerth:

Er ist auch der Autor von „Türmer Tons und die Geister von Lamberti“, einem wunderschönen Kinderbuch mit Bildern von Annegert Fuchshuber! Und jeden Abend begrüßt mich ebenjener fiktive Türmer Tons, wenn ich meinen Arbeitsplatz, die Türmerstube, erreiche:

Türmer Tons grüßt mich auf dem Weg kurz vor der Türmerstube!
Türmer Tons und rechts oben Türmer Roland Mehring!

In diesem Sinne: Glückauf! Man liest sich…
Eure Türmerin.

2 Kommentare

  1. Gratuliere!
    wie immer, sehr gut recherchiert

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