Wer meine Wahlheimat Münster besucht, einen Städtekurztrip macht oder den Urlaub hier verbringt, der oder die ist gut beraten, mindestens eine professionelle Gästeführung zu buchen. Verschiedene Vereine und Persönlichkeiten sind darauf spezialisiert, den Münsterbesuch mit wertvollen, interessanten, lustigen und gruseligen Informationsrundgängen so richtig nachhaltig anzureichern.
Bei Münster Marketing sind zum Beispiel folgende empfehlenswerten Tourmöglichkeiten als Partner gelistet:


Auch ich habe hier in der Blogroll (rechts sichtbar) diese und weitere tolle Münstertouren aufgeführt, dort könnt ihr euren Interessen folgend gewiss fündig werden. Immer wieder werde ich selbst gefragt:

Gibt es eigentlich auch die Möglichkeit, den Turm von St. Lamberti zu besichtigen? Und gibt es einen Rundgang mit der Türmerin?

Kurze, prägnante Antwort:

Nein!

Gibt es nicht, allen Gerüchten zum Trotz 😉


Die Türmerin von Münster könnt ihr ausschließlich virtuell besuchen – es gibt keine (privaten) Turmführungen!

Die Aufgabe der Türmerin von Münster ist es, das uralte Brauchtum der überlieferten Tradition gemäß lebendig zu halten und in der historischen Wirkstätte, dem Turm der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti, präsent zu sein.

Dazu gehören die Brandwacht, die Feindeswacht, das Tuten der Friedens- bzw. Alarmsignale als Zeitsignale zwischen 21 Uhr und Mitternacht, täglich außer dienstags (weil dienstags statistisch gesehen so gut wie nie Gefahren drohen).
Zusätzlich kann ich heutzutage die historische Recherche als mein Spezialinteresse berufsbegleitend pflegen. Dabei ist die Aufarbeitung über die Türmertradition in Münster (auch im Vergleich zu anderen Orten) wichtig, außerdem die Pflege dieses Blogs, sowie die Funktion als Ansprechpartnerin für interessierte Menschen, vor allem Medienleute.

Wenn jemand nun zu Gast ist, der sich bisher noch nicht mit Münster und den vielfältigen Traditionen der Westfalenmetropole beschäftigt hat und demzufolge gar nicht wissen kann, dass das Türmeramt hier tatsächlich eine richtige städtische Angelegenheit im Öffentlichen Dienst ist (europaweit einzigartig!), dann gibt es also die berechtigte und nachvollziehbare Frage nach oben genannter Turmführung.

Manchmal erreichen mich persönlich diese Anfragen nicht, sondern mir wird durch Freund*innen und Bekannte berichtet, jemand habe scheinbar einen „Rundgang mit der Türmerin“ gebucht und freue sich nun darauf, Martje Saljé, die Türmerin von Münster, kennenzulernen.

In diesem Fall handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein gängiges Missverständnis:

Der sogenannte „historische Rundgang mit der Türmerin“ ist eines der Angebote des Gästeführervereins Stadt-Lupe Münster!

Auf deren Internetpräsenz (Klick!) und in den entsprechenden Flyern etc. wird beschrieben:

Auf dem abendlichen Rundgang erwacht eine münstersche Figur aus dem 17. Jahrhundert zum Leben. Anschaulich und mit Witz erzählt eine Gästeführerin im historischen Gewand der Türmerin von kleinen Erlebnissen aus ihrem Alltag und großen Ereignissen aus der Stadtgeschichte. (…)
Begleiten Sie sie auf einem lebendigen Ausflug in die Vergangenheit!

Gerne überlesen und überhört werden offenbar die wichtigen Wörter Gästeführerin im historischen Gewand.

Wer nicht wissen kann, dass die Türmerin von Münster selber überhaupt gar keine Gästeführerin ist, sondern Brauchtumspflegerin, der ist eventuell enttäuscht hinterher zu erfahren, dass es gar nicht die aus Funk und Fernsehen bekannte Türmerin war, die sie gerade durch Münster geführt hat – oder aber es wird zwar fälschlich geglaubt, die Türmerin sei es selbst gewesen, aber die Frage bleibt, warum es denn gar nicht in die Kirche hinein und auf den Turm hinauf gegangen sei…

Auch hier sei der Hinweis auf die Stadt-Lupe-Werbung geboten, wo es im Kleingedruckten heißt:

Ergänzende Informationen:
keine Innenbesichtigung,
keine Turmbesteigung.

Kleine, nicht ganz ernst gemeinte Anmerkung am Rande mit einem fetten Augenzwinkern:
Es bleibt vielleicht die Frage, was denn eigentlich das „historische Gewand der Türmerin“ ist – die Türmerin von Münster jedenfalls ist trotz historischem Spezialinteresse total in der Jetzt-Zeit verankert, seit 2014 ist sie im Dienst als erste Frau. Ihr Gewand ist ein Umhang aus dem gleichen Jahr, 2014, damit nicht historisch, aber historischen Vorbildern nachempfunden, um wirklich warm zu halten. Dieser Umhang ist tatsächlich jeden Abend außer dienstags in Gebrauch, sommers wie winters, und wird wirklich nicht zwischendurch ausgeliehen an die Gästeführerinnen in Münster 😉 *zwinker*

In der optimistischen Grundhaltung, dass es sich früher oder später noch rumsprechen wird, dass keiner enttäuscht sein muss, wenn ihn oder sie zwar nicht DIE Türmerin von Münster durch die Stadt führt, dafür aber eine sehr unterhaltsame Gästeführerin von Stadt-Lupe in ihrer Rolle als Türmers-Frau, vertraue ich auf euch, hochgeschätzte Blogleser*innen, auf dass ihr die Botschaft laut und deutlich in die Welt tragt:

Die Türmerin von Münster macht keine Rundgänge, keine Turmführungen, keine Show – sie ist aber immer für euch da, virtuell hier und auch mit einem analogen oldschool Postfach bei der Münster Information im
Stadthaus 1!