Kategorie: Türmer und Historisches (Seite 56 von 59)
Typisch
Wenn man unterschiedliche Menschen nach dem fragt, was für sie persönlich das Typische an Münster sei, bekommt man mitunter sehr unterschiedliche Antworten, die doch im Kern wieder einiges verblüffend gemeinsam haben.
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Teil 1: Die Lambertus-Glocke, 1493
Unterer Durchmesser: 153cm.
Umschrift:
† Sum – tuba – magna – dei : divi – sub – nomi(n)e – patris Lamberti – populos – ad – sua – templa – vocans – Gherardus – de – wou – camppensis – m – fecit – Anno domini – m – cccc – xciij.
(zitiert nach Max Geisberg: Quellen zur Kunstgeschichte der Lambertikirche in Münster. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1942).
„Als die größte Glocke bin ich dem Kirchenpatron Lambertus geweiht. Ich rufe die Herde Lamberti zum Gottesdienst. Gherardus von Wou aus Kampen hat mich angefertigt im Jahre des Herrn 1493.“
Bei dem hier genannten „Gherardus de Wou Camppensis“ handelt es sich um keinen Geringeren als den berühmten Gerhard van Wou „van Kampen“ (geboren um 1440 in Hintham, Brabant; gestorben im Dezember 1527 in Kampen, Overijssel). Er war der Meister-Glockengießer, der u.a. die schöne „Gloriosa“ für den Erfurter Dom geschaffen hat!
In Münster hängt von ihm außer der Lambertus-Glocke auch noch die Marien-Glocke aus dem selben Jahre.
Das tiefe c erklingt, wenn die Lambertus-Glocke schwingt.
Dass diese alten Glocken erhalten geblieben sind, beweist, dass die „Wieder-“Täufer während ihrer Schreckensherrschaft nicht alles kirchliche Geläut und Gebilde zerstört haben.
Kerssenbroch schrieb über die Lambertus-Glocke, sie habe in alten Zeiten
„mit dreimaligem Läuten den Rat zum peinlichen Gericht und zu den Sitzungen, die Bürgerschaft zum nächtlichen Wachtdienst und zum Verlassen der Straße“
gerufen (Geisberg 1942, S. 61).
Außerdem schlug sie die vollen Stunden.
„Als Abendglocke wurde sie noch 1863 von Oster-Montag bis zum Münstersendtag im Herbst um 9 Uhr, von da an um 8 Uhr durch den Turmwächter geläutet.“ (ebd.)
Ein vermutlich im 17. Jahrhundert auf den Glockenmantel gemaltes Gerippe soll nach Geisberg wahrscheinlich Bezug auf die Verwendung als Gerichtsglocke und Totenglocke nehmen.
Turmstuben-Bücher Oktober 2014
Auch im Oktober habe ich mir wieder ein paar Werke zur näheren Betrachtung vorgenommen, vielleicht kommt der Eine oder die Andere durch die Vorstellung hier auch auf den Geschmack… Thema diesmal: Reiseliteratur von Autoren, die heutzutage wohl Reiseblogger geworden wären! 🙂
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