Urlaubstage sind ideal, um sich intensiv den Spezialinteressen zu widmen. In meinem Fall ist das natürlich die Geschichte – insbesondere die Geschichte von Traditionen rund um Türmer und Türmerinnen. Welche tolle Begegnung ich kürzlich hatte, auf welche kommenden Highlights ich mich freue und welche Rolle die Hanse dabei spielt, das lest ihr im aktuellen Beitrag – direkt vom Turm gebloggt, in diesem Fall sogar von ZWEI Türmen…!

Frauen in der Männer-Domäne „Türmer-Tradition

Es gibt in Deutschland und in anderen europäischen Städten mit Türmer-Tradition einige Frauen – danach werde ich immer wieder gefragt. 

Da Türmerin und Türmer keine geschützten Berufsbezeichnungen sind, sind auch die Menschen, die in Berg Fidel ganz oben im „Weißen Riesen“ wohnen, Türmerinnen und Türmer, wenn sie sich so nennen möchten – Liebe Grüße! 😉 Wenn das Kriterium Brauchtumspflege und historisches Wissen um die Tradition der Feuerswacht (und ganz früher auch Feindeswacht) aber ins Spiel kommen, so konzentrieren sich die Türmer – und im Besonderen die Türmerinnen auf wenige Städte, die diese Positionen noch aktiv mit Leben füllen.

Ganz vorne ist natürlich Blanca Knodel, die im Blauen Turm der Stadt Bad Wimpfen am Neckar (BaWü) ihre wunderschöne Wohnung hat, seit 1996 (!) wohnt sie dort; zeitweise sogar mit 3 Kindern, bemerkenswert! Sie empfängt Besucherinnen und Besucher, verkauft Eintrittskarten zur Aussichtsplattform und kommt gerne ins Gespräch. Viele Orte pflegen das Brauchtum mit hochengagierten Heimatvereinen und Gästeführungen. Auch diese Menschen sind mit Fug und Recht und traditioneller Wissensvermittlung Türmer und Türmerinnen.


https://www.youtube.com/watch?v=r67ADzezcX0
Blanca Knodel im Blauen Turm von Bad Wimpfen bei Galileo auf YouTube

(Ein Klick auf das Vorschaubild bringt euch zu YouTube und zum Video über Blanca Knodel im Blauen Turm von Bad Wimpfen.)


In Münster gibt es seit 2014 die erste Frau mit Signal-Horn in der Männer-Domäne der städtischen Türmer-Tradition auf der katholischen Stadt- und Marktkirche St. Lamberti.

Türmerin von Münster vor der Ratsglocke
Türmerin von Münster an der Ratsglocke auf der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti.

In Lausanne (Schweiz) ruft seit 2021 die erste Frau, Cassandre Berdoz, die dortige traditionelle Uhrzeit-Losung vom Turm der Kathedrale: „C’est le guet, il a sonné…“ – gefolgt von der Uhrzeit – dix, onze, douze, une oder deux (= „hier ist der Türmer, es hat zehn, elf, zwölf, eins bzw. zwei geschlagen“).

Türmerin von Lausanne
Foto: Noura Gauper, Stadt Lausanne. Cassandre Berdoz, Hilfswächterin auf der Kathedrale von Lausanne.

Und in Hamburg trat im Sommer 2024 (und offiziell 2025) erstmal eine Frau die Nachfolge des langjährigen Türmers Horst Huhn an: Neele Laudien (vormals Fokken)! Um diese Kollegin soll es hier gehen:

Deutschlandfunk Nova: Hoch über den Dächern Hamburgs, in luftiger Höhe auf dem Turm des Michels, erklingt ein besonderer Ton: die Trompete von Neele Fokken. Als erste Frau in diesem Amt verbindet sie Tradition und Moderne – und findet genau hier ihren Glücksort.

(Ein Klick auf das Vorschaubild bringt euch zur Folge über Neeles Glücksort auf Deutschlandfunk Nova.)


Andere Türme – andere Sitten

Lautes Rufen (Lausanne, Nördlingen), Zeitsignale tuten (Münster), Glockenläuten (Schaffhausen) oder Trompete spielen (Krakau, Hamburg) – so verschieden sind die Ausprägungen der Brauchtumspflege auf unterschiedlichen Türmen in Europa.

Alles hat einen gemeinsamen Ursprung: Die Brand- und Feindes-Wache, vielerorts auch Signale für die Torwächter, die in früheren Zeiten die Stadttore für die Händler und Einwohner öffneten und schlossen.

Im Laufe der Zeit haben sich die Signale unterschiedlich entwickelt; und das hat auch sehr viel mit der Reformation zu tun. Eine gesellschaftliche Strömung in vielen Ansätzen, um Veränderungen herbeizuführen. Um es historytainment-kompatibel abzukürzen:

In manchen Orten hat das funktioniert, in anderen nicht. Münster ist ein Beispiel für letzteres. Die Täuferbewegung mit Jan Mathijs, Jan van Leiden und Bernd Knipperdolling hat Münster nicht überzeugen können, wurde zurückgedrängt und den damaligen Zeiten entsprechend blutig beendet. Die eisernen Körbe (der Volksmund sagt: Käfige) sind ein hochinteressantes Mahnmal dieser Zeit (1536 war es vorbei).

In Hamburg hat die Reformation allerdings viele Anhänger gefunden; nach einigen Jahren der Reformfreudigkeit legten Rat, Bürger und der Beauftragte für die neue Kirchenordnung Hamburgs, Johannes Bugenhagen, fest, dass die Stadt fortan evangelisch sein sollte.

Deshalb haben wir im katholischen Münster nach wie vor ein typisches Zeitsignal, das so oft getutet wird, wie es die Kirchenglocken vorgeben; und im evangelischen Hamburg seit ungefähr 300 Jahren einen Trompeten-Choral.

Vorbildfunktion und Berufung

Neele Laudien spielt im Wechsel mit Josef Thöne (er hat mich in Münster besucht – darüber schrieb ich auch einen Artikel, klick!) – an Werktagen morgens um 10 Uhr und abends um 21 Uhr, und an Sonntagen mittags um 12 Uhr einen Choral. Sie führen Buch darüber, welchen Choral sie wann gespielt haben, damit es möglichst abwechslungsreich bleibt. 

Die schönen Melodien orientieren sich auch am Kirchenjahr, zur Osterzeit also vor allem passende Frühlingschoräle – hier seht ihr, wie Neele „Frühmorgens, da die Sonn aufgeht“ spielt:

Neele Laudien, Türmerin auf dem Michel in Hamburg

„Frühmorgens, da die Sonn aufgeht,
mein Heiland Christus aufersteht.
Vertrieben ist der Sünden Nacht,
Licht, Heil und Leben wiederbracht.
Hallelujah.“

Der Choral wird jeweils zuerst nach Osten (Vergleich Münster: hier gibt es nach Osten kein Signal, warum, das lest ihr hier, klick!) und dann nacheinander in alle Himmelsrichtungen geblasen. 

Neele steht dabei auf dem 7. Boden des Turmes der St. Michaeliskirche (Spitzname des Hamburger Wahrzeichens: „Michel„) und öffnet jeweils ein Fenster, um die Trompete zum weit hörbaren Klingen zu bringen. Über den Fenstern sind Halterungen für das evangelische Gesangbuch angebracht.

Hölzerne Podeste vor den Fenstern zeugen von einer Zeit, da Horst Huhn die Trompete spielte – er ist deutlich kleiner als Neele, die mit Model-Größe auch ohne Podest eine perfekte Figur mit Trompete am Fenster macht.

Ich habe sie live erlebt bei meinem Kurzbesuch in Hamburg auch schon ein bisschen etwas erfahren von ihr persönlich und der Social Media Beauftragten (Stabsstelle Michel-Kommunikation), Meike Uhlenberg (Instagram: st_michaelis). Vielen Dank für eure Gastfreundschaft, ich freue mich auf ein Wiedersehen!

Es ist eindeutig eine Berufung, dass meine äußerst sympathische Kollegin Neele auf dem Michel Trompete spielt, so wunderschön wie sie die glasklaren Töne in den Morgen und in die Nacht schickt – das mit der Berufung haben wir gemeinsam! Ein Turm mit so einer langen Geschichte ist ein herrlicher Arbeitsplatz!. Und ganz offensichtlich ist auch Neele eine Inspiration und ein Vorbild für junge Menschen, besonders ihre Trompetenschülerinnen können stolz auf ihre Lehrerin sein!

Und im Idealfall bekommen insbesondere Mädchen so eine Idee, dass es sich lohnt, ein Instrument zu lernen, die Augen offen zu halten für interessante Berufsperspektiven, die in Münster und Hamburg auch schon mal auf einen hohen Turm führen können, ein Beruf mit Aufstiegsmöglichkeit im Wortsinne 😀

Hanse-Städte

Noch eine Gemeinsamkeit von Münster und Hamburg: Beides sind Hansestädte. Bei Hamburg steht das Wort Hansestadt ja sogar im Namen und KfZ-Kennzeichen; bei Münster wundern sich manche Gäste der Stadt – ja, auch Münster war Teil der Hanse, der großen berühmten Kaufleute-Vereinigung. Genauer gesagt zur Hanse der Neuzeit; zwischen 1200 und 1500 spielte Münster als Handelsstadt der westfälischen Städtehanse eine große Rolle, und bei genauerer Betrachtung finden wir immer noch viele Zeugnisse davon – schaut euch mal die Salzstraße an; dort sind Steine anderer Hansestädte verlegt. 

Der Prinzipalmarkt – oder wie wir in Münster liebevoll sagen: Die Gute Stube – ist auch ein lebendiges Erbe der Hansezeit. Und hier feiern wir jedes Jahr den Hansetag.

Darauf freue ich mich gerade jetzt wieder sehr: 

Türmerin von Münster, Postfach bei der Münster Information, Stadthaus 1, Klemensstraße 10,
48143 Münster

Vielen Dank! Genießt den Frühling!
Eure Türmerin von Münster.

Türmerin von Münster in Hamburg, im Hintergrund: Die Elbphilharmonie (Elphi)!
Die Türmerin von Münster in Hamburg am Hafen. Im Hintergrund: Die „Elphi“!

Pressemeldung vom 15. April 2026

Hansemahl: Kaufleute und Oberbürgermeister servieren Schnittchen

Münster Marketing und die Initiative Starke Innenstadt laden am 2. Mai auf den Prinzipalmarkt ein / Führungen zu Münsters Hansegeschichte

Münster (SMS) Münster Marketing und die Initiative Starke Innenstadt (ISI) verwandeln den Prinzipalmarkt am Samstag, 2. Mai, wieder in den schönsten Freiluftspeisesaal der Stadt. Sie laden von 12 bis 18 Uhr zum traditionellen Hansemahl ein. Gelb-rot-weiße Münsterfahnen und blaue Europaflaggen schmücken die Giebelhäuser und setzen den feierlichen Rahmen für die lange Tafel. Hier servieren die Kaufleute der Innenstadt westfälische Schnittchen. Um 12 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Tilman Fuchs das Hansemahl.

Die 100 Meter lange Tafel mit weißen Hussen und buntem Frühlingsblumenschmuck erstreckt sich vom Historischen Rathaus bis zur Salzstraße. Zusätzlich laden weiße Loungemöbel zum Platznehmen ein. 

Bei den Schnittchen gibt es mehrere Varianten, zur Auswahl stehen Mett, Schinken, Griebenschmalz, Käse und ein veganer Aufstrich. Zur Getränkeauswahl mit Selbstbedienung gehören regionales Bier, Wein von deutschen Winzern, Bio-Limonaden sowie fair gehandelter Kaffee. Musik kommt von zwei Bühnen – im Wechsel werden Live-Musik und DJ-Sounds zu hören sein.

Kostenfreie Stadtführungen zur Hansegeschichte

Wer Lust auf eine Zeitreise in die Geschichte der Hanse hat, kann zwischen zwei thematischen Stadtführungen wählen: Der Rundgang „Hansestadt Münster – eine Kaufmannsstadt im Wandel“ erzählt Wissenswertes und Erstaunliches zu fast 700 Jahren Hansegeschichte und führt zu alten und neuen Umschlagplätzen in der Altstadt. Start ist um 12.30, 14 und 15.30 Uhr jeweils im Rathausinnenhof an der Chillida-Skulptur.

Im Rundgang „Münster in Europa: Eine Stadt mit Bedeutung“ geht es um Münsters Rolle in der europäischen Zusammenarbeit – von Karl dem Großen bis zum Treffen der Außenminister Schewardnadse und Genscher während der Wendezeit. Start ist um 13.30 Uhr ebenfalls im Rathausinnenhof an der Chillida-Skulptur.

Alle Führungen sind kostenfrei, die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Tickets gibt es am Veranstaltungstag im Infozelt auf dem Prinzipalmarkt.

Auch ein Besuch im Stadtmuseum (Salzstraße 28) lohnt sich am Hansetag: Von 11 bis 18 Uhr ist in einem der 33 Kabinette zur Stadtgeschichte die Ausstellung „Die Hansestadt“ zu sehen. Der Eintritt ins Museum ist wie immer kostenfrei.

Verkehrseinschränkungen und Park+Ride-Angebot

Aufgrund des Hansemahls sind der Prinzipalmarkt und der Michaelisplatz am 2. Mai von 6 bis 22 Uhr für den Verkehr gesperrt. Dies gilt auch für Busse und den Lieferverkehr.

Um Staus in der Innenstadt zu vermeiden, steht Gästen des Hansemahls das Park+Ride-Angebot (P+R) im Parkhaus am Coesfelder Kreuz mit seinen fast 1.000 Pkw-Stellplätzen zur Verfügung. Fünf Euro kostet das Tagesticket für das Parkhaus, bis zu fünf Personen können mit dem Parkticket ohne weitere Kosten mit Stadtbussen in die Innenstadt weiterfahren. Das Parkhaus ist an Samstagen jeweils von 8 bis 23 Uhr geöffnet.

Alle Informationen zum Hansemahl gibt es auf der städtischen Website unter www.stadt-muenster.de/hansemahl.