Kategorie: Türmer in der (Welt-)Literatur (Seite 12 von 14)
Teil 1: Die Lambertus-Glocke, 1493
Unterer Durchmesser: 153cm.
Umschrift:
† Sum – tuba – magna – dei : divi – sub – nomi(n)e – patris Lamberti – populos – ad – sua – templa – vocans – Gherardus – de – wou – camppensis – m – fecit – Anno domini – m – cccc – xciij.
(zitiert nach Max Geisberg: Quellen zur Kunstgeschichte der Lambertikirche in Münster. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1942).
„Als die größte Glocke bin ich dem Kirchenpatron Lambertus geweiht. Ich rufe die Herde Lamberti zum Gottesdienst. Gherardus von Wou aus Kampen hat mich angefertigt im Jahre des Herrn 1493.“
Bei dem hier genannten „Gherardus de Wou Camppensis“ handelt es sich um keinen Geringeren als den berühmten Gerhard van Wou „van Kampen“ (geboren um 1440 in Hintham, Brabant; gestorben im Dezember 1527 in Kampen, Overijssel). Er war der Meister-Glockengießer, der u.a. die schöne „Gloriosa“ für den Erfurter Dom geschaffen hat!
In Münster hängt von ihm außer der Lambertus-Glocke auch noch die Marien-Glocke aus dem selben Jahre.
Das tiefe c erklingt, wenn die Lambertus-Glocke schwingt.
Dass diese alten Glocken erhalten geblieben sind, beweist, dass die „Wieder-“Täufer während ihrer Schreckensherrschaft nicht alles kirchliche Geläut und Gebilde zerstört haben.
Kerssenbroch schrieb über die Lambertus-Glocke, sie habe in alten Zeiten
„mit dreimaligem Läuten den Rat zum peinlichen Gericht und zu den Sitzungen, die Bürgerschaft zum nächtlichen Wachtdienst und zum Verlassen der Straße“
gerufen (Geisberg 1942, S. 61).
Außerdem schlug sie die vollen Stunden.
„Als Abendglocke wurde sie noch 1863 von Oster-Montag bis zum Münstersendtag im Herbst um 9 Uhr, von da an um 8 Uhr durch den Turmwächter geläutet.“ (ebd.)
Ein vermutlich im 17. Jahrhundert auf den Glockenmantel gemaltes Gerippe soll nach Geisberg wahrscheinlich Bezug auf die Verwendung als Gerichtsglocke und Totenglocke nehmen.
Paulus und sein Dom
Der St. Paulus-Dom zu Münster feiert Anno Domini 2014 sein 750jähriges Jubiläum. Es gibt zahlreiche sehr interessante Veranstaltungen in diesem Zusammenhang – nachzulesen hier: DOMJUBILÄUM
Jeden Abend (außer Dienstag) geht der Blick natürlich auch gen Westen, zu schauen, wie’s dem Dom so geht und seinen beiden Türmen. Wenn der Nebel zu dicht ist, ahnt das Auge nur mehr die Schemen, bei guter Sicht geht bei Sonnenuntergang der mächtige Scheinwerfer an und setzt die Türme ins strahlende Hell. Und zwischen den beiden Türmen des Paulusdoms erblickt die Türmerin das fürstbischöfliche Schloss…
Die beiden Domtürme zu Münster
Daß solchem Dome stolz und reich
Ein Turm zu wenig sei,
Das sah der alte Meister gleich,
Darum erbaut‘ er zwei.
Kiepenkerl
Bei der Recherche über interessante Münsteraner Persönlichkeiten mit Bezug zu „meiner“ Lambertikirche bin ich auf den 2001 verstorbenen Bäckermeister, Kommunalpolitiker und Traditionsliebhaber Heinrich Morthorst gestoßen, der Vielen als DER Kiepenkerl ein Begriff sein wird.
Die 2003 erschienene Biographie über Heinrich Morthorst von Dr. Günther Mees (ehemaliger Chefredakteur der Bistumszeitung Kirche+Leben) ist ein außergewöhnliches literarisches Denkmal für einen außergewöhnlichen Menschen.
Totentanz
In Münster wird seit 1383 (und wahrscheinlich auch schon früher) vom St. Lamberti-Kirchturm aus gewacht, ob räuberische Banden die Stadt überfallen oder ein Feuer ausbricht. Der Türmer – seit 2014 die Türmerin – hält Ausschau und bläst ein Entwarnungs- oder Warnsignal (je nachdem…), und zwar nach Süden, nach Westen, nach Norden. Niemals aber nach Osten. Warum?


