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Schlagwort: Turm (Seite 29 von 33)

Die Welt – vom Turme aus gesehen

Die Welt und ihr Gefüge sehen dieser Tage recht durcheinander aus. Die Nachrichten von Kriegen, Not und Elend erreichen auch die eigenen, kleinen, heilen Welten. Vom Turme aus betrachtet gewinnt man eine andere Perspektive, Gedanken und Ideen kommen auf, die es dort unten inmitten der Geschehnisse wohl so nicht geben würde. Dieses besondere Gefühl beschreibt Georg Thurmair 1938 recht treffend in seinen Versen „Türmers Nachtgesang„, die so beginnen:

„Ich hab die Welt verlassen und stehe auf dem Turm,
ich kann die Sterne fassen und sprechen mit dem Sturm.
Ich banne die Gespenster und lebe fern dem Spott,
der Wind pocht an mein Fenster und spricht vom lieben Gott. (…)„

(Nicht nur) vom Turme aus gesehen sind auch die Geschehnisse, Ereignisse, Aktionen und Reaktionen in Münster immer wieder recht bemerkenswert:

Am 30.1.2015 stehen zwei Veranstaltungen an prominenter Stelle:

1. Die Demonstration „Bunt statt Braun“

und

2. Das Kramermahl.

Diese Dinge haben nicht nur gemeinsam, dass u. a.  Oberbürgermeister Lewe erst hier, dann dort mit seiner Präsenz ein Zeichen setzt, sondern noch mehr Assoziatives fällt einem aus Turmperspektive auf:

In dieser Stadt sind Toleranz, Frieden und Freiheit nicht bloß Schlagwörter, sondern gelebtes Motto. Münster ist sich der Historie (Westfälischer Friede!) sehr bewusst, und nutzt die Lehren aus der Vergangenheit trefflich für die aktive Gestaltung der Zukunft in der jeweiligen Gegenwart. Das Kramermahl – ein feierliches Mahl, das an die Gilden der Kaufleute erinnert – ist ein solches deutliches Signal der Verbindung alter Werte mit modernen Initiativen. Es hat seinen Ursprung in der Gründung des Vereins der Kaufmannschaft und der Errichtung des Krameramtshauses 1589 – in ebenjenem Hause residierten die niederländischen Gesandten während der Verhandlungen, die schließlich zur Unabhängigkeit der Niederlande führen sollten.

Weiterhin sei daran erinnert, dass auf engagiertes Betreiben der Kaufmannschaft nach dem 2. Weltkrieg z.B. der Prinzipalmarkt auf historischer Basis wieder aufgebaut worden ist – heute mit den Giebelhäusern DAS Wahrzeichen Münsters schlechthin. Die Kaufmannschaft setzt sich in unzähligen Bereichen auch heute für ihre Stadt ein und die o.g. Werte wie Toleranz, Frieden und Freiheit schwingen auch im Motto „Ehr ist Dwang gnog“ (Ehre ist Zwang genug) immer mit, wenn es um Weiterentwicklung und Attraktivitätssteigerung geht.

War der lange Weg zum Westfälischen Frieden ein Weg des Dialogs, so ist dieser Weg auch unserer Tage von großer Bedeutung. Es gilt, sich der Vergangenheit bewusst zu sein und sich nicht dem Dialog zu verweigern, sondern auch offen zu sein für die Veränderungen dieser turbulenten Zeit – damals wie heute sind Menschen auf der Flucht, benötigen Schutz und Hilfe, damals wie heute haben Menschen Zukunftsängste und rationale wie irrationale Sorgen, Geschichte scheint sich hie und da zu wiederholen; und an genau dieser Stelle ist es wichtig, Signale zu setzen gegen bloße rückwärtsgewandte und kurzsichtige Phrasendrescherei,  und sich im Großen wie im Kleinen, auf der Straße wie im Privaten, klar zu machen, wie gut es doch eigentlich ist, dass hierzulande in jüngster Vergangenheit eine Demokratie entstanden ist, in der Meinungsäußerungs-, Presse- und im Karneval außerdem Narrenfreiheit 😉 erlaubt und sogar erwünscht sind – womit wir wieder bei der Demonstrationsfreiheit und „Bunt statt Braun“ wären. Diese Demo hat sich Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Vielfalt auf die Fahne geschrieben. Hier sind sie wieder, diese vielzitierten Werte.

Es wäre heut nicht wie es ist, wär es damals nicht gewesen wie es war. Geschichte ist, was wir daraus machen. Resignieren ist der falsche Weg. Man muss nicht alles gut finden, aber versuchen, darüber nachzudenken, sich auf gute Traditionen besinnen und sie mit neuen Impulsen verbinden, das ist ein möglicher Ausweg aus widrigen Zeiten.

 

Turmstuben-Bücher Januar 2015

Neues Jahr – neue Gelegenheiten, viele viele viele Bücher zu sichten und lesen! Hier die Bücher, die im Januar mit mir in der Turmstube sind:

Isabell Richter: „Der phantasierte Tod. Bilder und Vorstellungen vom Lebensende im 19. Jahrhundert“, campus Historische Studien, Frankfurt a. M./New York 2010

Werner Holzwarth (Text) und Henning Löhlein (Illustration): „Klaoverich un Klaoverita. En Vertellsel van’t Glück“. Up Westfäölsk van Hannes Demming. Klartext-Verlag, Essen 2014

Gottfried Wolters (Hrsg.): Von Kerlen wollen wir singen. Europäische Schelmenlieder mit Klaviersätzen“. Mit Holzschnitten von Alfred Zacharias. Möseler Verlag, Wolfenbüttel 1959

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Türmergarn und Sky Run

In Münster kennen wir z.B. Goethes Totentanz und die Legende des reichen Bürgers als Grund für ein Tut-Verbot Richtung Osten. Wieviel Wahres oder Zusammengereimtes jeweils in den Erzählungen steckt, ist nicht vordergründig wichtig, geht es doch vor Allem um eine gute Story, die von Türmer zu Türmer zu Türmerin weitergegeben werden kann, nicht zuletzt auch als Stoff für Interviews.

In Rouen, Nordfrankreich, kennt man auch solche Stories – z.B. die Legende des Tour de Beurre (Butterturm). Eine der (gefühlten tausend oder mehr) Geschichten, die sich darum ranken und die ich selbst von meinem Großvater gehört habe, möchte ich hier vorstellen:

Der Rat der Stadt berief einen jungen Baumeister, einen prächtigen Turm für die Kathedrale zu bauen. Dieser hatte Sorge, er schaffe es nicht alleine und paktierte daher mit dem Teufel. Der Teufel wollte als Dank für seine Hilfe (natürlich) die Seele des Baumeisters. Der Turm wurde in einem Jahr fertig und der junge Baumeister wurde gefeiert.

Ihm war aber nicht nach Feiern zumute, ständig dachte er darüber nach, aus dem teuflischen Vertrag herauszukommen. Er bot dem Teufel an, dass dieser seine Seele sofort haben könnte und nicht erst viele Jahre auf seinen Tod warten warten müsste. Alles was der Teufel dafür tun müsste:

Sky Run!

Innerhalb des Geläuts der zwölften Stunde von unten nach oben zur Türmerstube rennen, vor dem letzten Glockenschlag oben angekommen sein. Dann gehörte die Seele ihm – anderenfalls sollte der junge Mann aus dem Vertrag entlassen werden.

Gesagt, getan, ein Teufel, ein Wort. Er rannte „wie der Teufel“ los, rutschte allerdings im oberen Drittel auf den butterbeschmierten Stufen aus und schaffte es nicht rechtzeitig… und verschwand in einer Schwefelwolke. Der listige Baumeister und seine Seele waren gerettet!

Der historische wahre Kern der Geschichte ist aber wahrscheinlich:

Die Bauarbeiter wurden beim Bau des Turmes der Kathedrale von Rouen mit den Geldern aus dem Verkauf der alljährlichen Butterspende der Bürger bezahlt. Butter wurde in den Haushalten selbst hergestellt und während der Fastenzeit vor Ostern den Kirchenvertretern gespendet, welche sie verkauften, um den Turmbau bezahlen zu können.

Aber Sky Run des Teufels und mit Butter beschmierte Turmtreppe klingt ungleich cooler als Erklärung, warum der Tour de Beurre als „Butterturm“ in die Geschichte eingegangen ist. Was den Seemännern ihr Seemannsgarn ist eben den Türmern ihr Türmergarn 🙂

Turm-Meister

Der Turm-Meister von St. Lamberti zu Münster heißt Hilger Hertel. Dieser Name steht (neben dem des damals amtierenden Pfarrer Kappen) für den radikalen Stilbruch, als 1883-1889 auf der Stadt- und Marktkirche in Münster der neue Turm im neogotischen Stil errichtet worden ist. Hertel, das ist die Architektenfamilie, die zu den bedeutendsten ihrer Zeit gehört.

Der Lambertikirchturm gehört zu den renommiertesten Werken des Hertel’schen Architekturbüros.

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Turmstuben-Bücher Oktober 2014

Auch im Oktober habe ich mir wieder ein paar Werke zur näheren Betrachtung vorgenommen, vielleicht kommt der Eine oder die Andere durch die Vorstellung hier auch auf den Geschmack… Thema diesmal: Reiseliteratur von Autoren, die heutzutage wohl Reiseblogger geworden wären! 🙂

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