direkt vom turm gebloggt

Kategorie: Vorgänger (Seite 2 von 10)

Interessante Funde

Beim Recherchieren interessante Funde machen – das sind die kleinen Freuden einer städtischen Türmerin zu allen Zeiten, besonders aber in diesen unplanbaren Corona-Pandemie-Zeiten. Kleine Freuden halten einen im Leben, lassen einen optimistisch bleiben, n’est-ce pas?!

Gerade durchforste und sichte ich allerlei Bücher und Dokumente in der Turmstube. Ich stoße dabei auf Artikel und Meldungen aus vergangenen Zeiten, die mir Münster noch näher bringen. Alte Zeitungsbeiträge und Bücher etc. können uns so viel erzählen, was uns auch die heutige Stadt erklärt, ganz genau wie in der alten Hiphop-Weisheit meiner Jugend:

Es wäre heut‘ nicht wie es ist,
wär‘ es damals nicht gewesen wie es war!

Aus: „Schlüsselkind“, Cora E. (1997)
Weiterlesen

Fortsetzungsgeschichte: Der Bau des Lambertikirchturmes (Teil1)

The Tuuut must go on – so ähnlich sang schon Freddy Mercury… Ich nutze diese widrigen Zeiten zu historischen Recherchen rund um mein Spezialinteresse: St. Lamberti zu Münster!

In diesem ersten Teil meiner Fortsetzungsgeschichte rund um den Bau des Lambertikirchturmes geht es um den ursprünglichen, den alten Turm. Dieser hat bis Ende des 19. Jahrhunderts ungefähr so ausgesehen:

alter Lambertiturm
Foto: Sammlung Friedrich Hundt, die Lambertikirche in den 1870er Jahren
Weiterlesen

Was macht denn das Türmerhorn auf dem Bauernhof?

Foto: Michael Kestin
Foto: Michael Kestin

Das Horn, welches mir 2014 feierlich übergeben worden ist, wurde 1950 angefertigt. Die Gravur besagt:

Anstelle des im Weltkrieg 1939-45 vernichteten alten Türmerhorns aus dem 16. Jahrhdt. angefertigt zur Wiedereinführung des Türmers v. St. Lamberti am 6.12.1950 
Werkstatt K. Schräge Werkschule Münster.
Inschrift am Türmerhorn

Diese Werkstatt existiert nicht mehr. Deshalb wurde das Horn auch zur Wartung in die fachkundigen Hände der Blechblasmusikinstrumentebauer Ott gegeben, als das Mundstück-Innenleben einmal schnarrte und hakte.

Nun begab es sich aber just, dass ich einen meiner raren Informationsvorträge hielt und dabei selbst eine höchst interessante Geschichte erfuhr.

Eingeladen war ich von den Landfrauen Sprakel in den Heimathof des Heimatvereins Sandrup – Sprakel – Coerde e.V. (gegründet 1938) – übrigens ein wunderschöner Ort, an dem Geschichte erlebbar gemacht wird!

Und dort begegnete ich einer Dame, die mir berichtete, sie habe 1950 als Kind in das neu angefertigte Türmerhorn getutet, und zwar auf ihrem Bauernhof.

Was machte denn das Türmerhorn auf dem Bauernhof? fragte ich ungläubig.

Dort sei eine Flüchtlingsfamilie einquartiert gewesen, und der Sohn habe damals eine Lehre gemacht bei der Werkschule, als Blechblasinstrumentenmacher. Da gab es dann die Aufgabe, ein neues Horn anzufertigen für den Türmer von St. Lamberti, der 1950 als einer der ersten städtischen Angestellten überhaupt wieder im Dienst war, als Zeichen und Symbol, dass es weitergeht in Münster, auch wenn alles in Trümmern liegt.

Der Kollege auf dem Turm damals hieß Karl Greuling – ich habe über ihn berichtet, er schrieb Gedichte und vertonte sie auf seiner Zither (Klick).

Und der Lehrling, der das neue Türmerhorn einfach mal nach Hause mitnahm und alle Kinder auf dem Bauernhof hineintuten ließ, hieß Christian Scholz. Dessen Familie sei nach Australien ausgewandert, wusste meine Informantin im Heimathof am Max-Klemens-Kanal. Und Christian Scholz habe später eine eigene Werkstatt aufgemacht. Wenn ich es richtig behalten habe, im Sauerland.

Aufruf:

Wenn jemand hier mitliest, der den Kontakt herstellen kann zu Christian Scholz oder seinen Angehörigen oder anderen ehemaligen Lehrlingen und Mitarbeitern der Werkschule, die das neue Türmerhorn erschaffen haben, so wäre ich sehr erfreut über eine Nachricht!

Fazit: Unverhoffte Mosaikteilchen der Türmergeschichte in Münster sind immer herzlich willkommen, ich staune immer wieder über neue Erkenntnisse und freue mich darüber! Das ist Historytainment pur!

Ein vergangenes romantisches Stück Altmünster…

… Und wer heute den Verkehr sieht, der über [diesen] Platz dahinflutet, der kann nicht anders als dem beistimmen, daß Münsters Drubbel leider als Opfer der werdenden Großstadt fallen musste.

Zitat aus: Peter Werland, Unser alter Drubbel. In: Das schöne Münster. 13. Jahrgang, Heft Nr. 8 / August 1941

Dieser Satz entstammt dem Jahr 1941. Der Autor Peter Werland hat vorweggenommen, dass der Verkehr tatsächlich immer mehr Raum beansprucht; in unseren Tagen fahren Automobile, Busse, Leezen, E-Scooter, Kutschen mit unsichtbaren Pferden, Kutschen mit sichtbaren Pferden, Rikschas, … um die peselnden Fußgänger*innen herum, sicherlich deutlich mehr als noch 1941. Und was hat es mit dem Drubbel auf sich?

Das schöne Münster. August 1941. Unser alter Drubbel. Peter Werland.
Weiterlesen
« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »