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Das Wilsberg-Phänomen

Auch in meiner Heimat, im Lande Weitweitweg, ist Wilsberg bekannt. Und jetzt, da ich in der Wilsberg-Stadt Münster wohne und wirke, mache ich mir erstmals Gedanken um das Phänomen, das hinter den Geschichten steckt, die seit langer Zeit überregional erfolgreich sind… Das geht am besten im Gespräch mit Diesem und Jenem auf einer Kinopremiere mit der Crew!

Leonard Lansink spielt seit gefühlten hundert Jahren den Antiquar und Privatermittler Georg Wilsberg im ZDF-Klassiker „Wilsberg“. Bei der Premierenfeier von „In Treu und Glauben“ sagte er, er wolle auch sehr gerne noch lange weitermachen („Wie lange war Derrick…?“ O-Ton des ob des großen Publikums begeisterten Leonard Lansink), eben so lange die Zuschauer*innen ihn sehen wollen. Kein Grund daran zu zweifeln: Ganze drei große Kino-Säle zeigten die neue Vorpremiere leicht zeitversetzt, alle voll mit begeisterten Wilsberg-Fans, und das Team aus Schauspieler*innen, Produzenten, Drehbuchschreibern, Erfinder… etc. bewegte sich von Saal zu Saal, um Rede und Antwort zu stehen und sich publikumsnah sympathisch feiern zu lassen.

Funfact:

In einer sehr alten Folge namens „Die Wiedertäufer“ (Folge 20, Erstausstrahlung 2007) werden übrigens die Körbe und die St. Lamberti-Kirche prominent ins Bild geholt – und ich bin bass erstaunt, dass weder die echten Körbe noch die echte Kirche gezeigt wurden, zum Vergleich die Szene aus dem Film (mit sandfarbenen Backsteinen?!) und meine allabendliche Kulisse:

Gedreht wird „Wilsberg“ in Köln und natürlich in Münster, wo sich das real existierende Antiquariat Solder in das TV-Antiquariat Wilsberg verwandelt.

Es ist bemerkenswert, wie beliebt die Münsterkrimis „Tatort“ und „Wilsberg“ hier – und eben nicht nur hier – sind. Anderswo beschweren sich die Menschen, wenn für einen Filmdreh Straßen gesperrt werden; in Münster freuen sie sich, stehen neugierig am Rande der Absperrungen, schauen den Dreharbeiten zu (die Liste der willigen Statistenrollen-Anwärter*innen ist wahnsinnig lang), und bei jeder Premiere rennen sie dem Kinotempel die Bude ein – klasse!

Sehr süß: Diesmal wurden nicht nur Lob und Fragen geäußert, sondern eine Frau hatte zudem die Gelegenheit, sich für ein Foto von ihrem persönlichen Helden Ekki Thalkötter alias Oliver Korittke vor der großen Leinwand in den Arm nehmen zu lassen.

Ekki und Alex

Oliver Korittke und Ina Paule Klink, Quelle: https://www.facebook.com/Oliver-Korittke-406889622656643/

Bereits vor dem Film sprach die unvergleichliche Ina Paule Klink ein Grußwort; im Film spielt sie die coole Rechtsanwältin Alex Holtkamp, und wer einmal Gelegenheit hat, sie singen zu hören, sollte das unbedingt tun – diese Frau ist ein Gesamtkunstwerk!

Und wo wir gerade bei Gesamtkunstwerken sind – was macht denn nun eigentlich den Erfolg dieser Münster-Krimis aus? Das Lokalkolorit, die einzigartige Altstadt, die Idylle Münsters – und ganz sicher auch das Verdienst der städtischen Einrichtung Filmservice Münster.Land, die sich maßgeblich für den Filmstandort Münster einsetzt, genau wie die Filmwerkstatt Münster. Und die Steilvorlage für das alles ist natürlich die Erfindung des Autors Jürgen Kehrer, der „Wilsberg“ im Jahre 1990 überhaupt erst literarisches Leben eingehaucht hat – man nennt ihn deshalb auch den „Vater von Wilsberg“. Genau wie seine Romane sind die TV-Krimifolgen eine herzhafte Mischung aus Sozialstudie, Satire und Spannung.

Und das kommt an – kurioserweise auch weit außerhalb Münsters. Erst kürzlich wurde mir von Wilsberg-Fans aus Karlsruhe hinter den sieben Bergen berichtet, die keine Folge verpassen. Die Krimi-Führungen (K3, StadtLupe, StattReisen) unserer versierten Gästeführer*innen sind bei den zahlreichen auswärtigen Besucher*innen ebenfalls extrem beliebt. Auch in der Münster Information wird es deutlich, hier fragen die Gäste unserer Stadt:

Wo ist das Rathaus? Wo ist der Dom? Wo sind die Käfige? Wo ist das Antiquariat?

Vielleicht, weil das kauzige Wesen des Detektivs, die kleinen Anspielungen auf den (angeblichen, klischeebeladenen) Charakter der Münsteraner*innen, das Wesen der Stadt Münster (zugleich modern und traditionsbewusst, zugleich klein und groß), … einfach gut miteinander funktionieren. Im Print wie im TV – oder auch auf der großen Leinwand.

Und auch, wenn ich immer noch nicht vollständig begreifen kann, warum „Wilsberg“ so überaus beliebt ist, ist das alles insgesamt doch einfach ein schönes Phänomen, das ich sehr jovel finde, und seit ich in Münster an der „Quelle“ sitze, achte ich noch mehr auf alles Lokalkoloritische im Hintergrund, im Vordergrund, in den Details – zum Beispiel bei den Namen:

Die Namen sind samt und sonders besonders schön klingend, sie versprühen echten westfälischen Charme: Neben Ekki Thalkötter und Alex Holtkamp gibt es natürlich noch den Kommissar Overbeck, die Ex vom Ekki: Silke Sestendrup, die Familie Buckebrede, in die der Ekki in „Treu und Glauben“ einheiraten will …

… der Junggesellenabschied wird übrigens vom immer wieder erfrischenden Herrn Overbeck organisiert – schaut euch den „Overbeck-Express“ am besten selber an: Samstag, 17. Dezember 2016 um 20:15 Uhr im ZDF!

Jungesellenabschied-Szene

Szene aus „In Treu und Glauben“ 2016, Foto: ZDF/Warner Bros.

1 Kommentar

  1. Anna maria Berger

    Wilsberg ist meine krimiliebe…und oberbeck möchte ich mir schnappen…ihn und seine matrix brille…coool….

    Besser geht nicht…

    AN LI

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