Am 21. Januar 1525 fand in Zürich die erste Taufe von Erwachsenen statt – als bewusstes Glaubensbekenntnis. Die Täuferbewegung nahm ihren Lauf in der Geschichte, der geprägt war von Höhen und Tiefen, von Gewaltlosigkeit aber stellenweise auch von Gewalt. Am 21. September 2025 erinnerte ein Festakt in Hamburg mit einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an 500 Jahre christliche Täufergeschichte.


Martin Luther, Huldrych Zwingli, die großen Reformatoren des 16. Jahrhunderts stehen für die Idee, dass allein die Liebe und Gnade Gottes die Gläubigen in den Himmel bringt; nicht etwas die Beichte, gute Taten oder gar Ablassbriefe.

Den vielen verschiedenen Täufergruppierungen ist gemeinsam, dass für sie die bewusste Taufe von Erwachsenen das zentrale Anliegen ist – erst durch die Taufe wird man Mitglied in der Gemeinschaft der Gläubigen. Da um 1500 herum die Christen bereits als Baby getauft worden sind, wurde die zweite Taufe zum Merkmal und zur Fremdbezeichnung der „Wiedertäufer“ (Englisch: „anabaptists“).

Radikale Veränderung von Kirche UND Gesellschaft

Insgesamt waren die Ideen der ersten Täufer radikaler als die von Luther und Zwingli; sie wollten die gesamte Gesellschaft radikal verändern. Die „geschwisterliche Kirche ohne Hierarchie und Klerus“ sowie Gewaltlosigkeit standen im Zentrum.

Dass diese Ansprüche in manchen Zusammenhängen nicht funktioniert haben, wissen wir in Münster – hier spielten Macht und Geld im Laufe der Geschichte ebenfalls eine Rolle und die heute hier erinnerte „Täuferherrschaft“ besteht aus vielen Toten, Hunger, Leid, zerstörten Heiligenfiguren, Endzeitvisionen, dem selbstgekrönten König Jan von Leiden und den drei eisernen Körben, die der Volksmund „Käfige“ nennt und in denen die zu Tode gefolterten Leichen dreier Täufer zur Schau im Lambertikirchturm ausgestellt worden sind…


Schnee in Münster
Täuferkörbe in der Nacht

Dass aber auch viele Täufer selbst unter Verfolgung und Vertreibung litten, wird meinem Empfinden nach manchmal zu wenig thematisiert, gehört aber unbedingt in das Gesamtbild christlicher Reformationsgeschichte.

Sehr gut nachvollziehbar ist die ganze Geschichte der münsterschen Täuferbewegung im Stadtmuseum Münster dargestellt Eintritt frei, Montags Ruhetag – Klick!

Festakt zu 500 Jahren Täuferbewegung

„Mit einem Festakt und einem ökumenischen Festgottesdienst ist [am 21. September 2025] in Hamburg das 500-jährige Bestehen der christlichen Täuferbewegung gefeiert worden.“ – Das meldet der Deutschlandfunk, Klick!

Screenshot Deutschlandfunk über die Gedenkfeier zu 500 Jahren Täuferbewegung
Screenshot von Deutschlandfunk, 22.9.2025

Bundespräsident Steinmeier sprach in seiner Rede davon, wie vielfältig die Thesen der verschiedenen Täufergruppierungen seien. Individuelle religiöse Freiheit und ein sozialer Gerechtigkeitssinn blieben bis heute wichtige Themen der Gesellschaft. Andrea Strübind, Professorin für Kirchengeschichte an der Carl-von-Ossietzky-Unniversität Oldenburg (diese Uni ist meine Alma Mater!), erinnerte bei der Feier daran, dass Täufer über Jahrhunderte hinweg ausgegrenzt worden und nicht in Politik und Gesellschaft integriert gewesen seien. Das erklärt sich zum einen aus dem Selbstverständnis der Täufer – Gewaltlosigkeit passt nicht zur Ausübung politischer oder gesellschaftlicher Ämter und Herrschaft – und zum anderen aus ihrem Ruf als „Nonkonformisten“ und „Schwärmer“ (im negativen Sinne).

Täufer und Täufer-Ideen heute

In den Reden wurde hervorgehoben, dass Minderheiten mit alternativen Denkweisen auch großes Potential für gesellschaftliche Veränderungsimpulse besäßen. Diese Lehre könne man aus der Täuferbewegung ziehen.

Heute gibt es immer noch Täufergemeinschaften, sie leben vor allem in den USA und in Russland, nicht mehr in Europa – aufgrund der Verfolgung und Vertreibung.

Bekannte, noch heute existente Glaubensbewegungen, die auf die Täuferbewegung vom 16. Jahrhundert zurückgehen, sind die Amischen, die Hutterer und die Mennoniten. Doch dieses Fass machen wir an dieser Stelle nicht mehr auf…

Wer sich mit den Höhen und Tiefen dieser wirklich hochinteressanten Geschichte befassen möchte, dem empfehle ich die Informationen auf dieser Seite: „Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525-2025“, Klick!


Jeden Abend auf dem Weg in mein Turmbüro gehe ich wie meine Vorgänger an den Original-Körben aus dem Jahr 1536 vorbei und bin oftmals bestürzt, was in der Geschichte alles nicht rund lief, welch viele grundsätzlich friedlichen Ideen nicht lange friedlich blieben und denke darüber nach, was wohl in 500 Jahren über unsere heutige Zeit geschrieben werden wird.

Ich schüttle diese schweren Gedanken ab und stehe optimistisch über die Dächer von Münster. Wenn ihr da unten entlangflaniert, schaut mal hoch: ich winke euch zu!

Eure Türmerin von Münster.
(P.S.: Das Beitragsfoto zeigt drei kleine Täuferkörbe im Restaurant Altes Gasthaus Leve – da kann man ganz viel Münstergeschichtliches entdecken!)

Drei kleine Käfige an der Wand im Restaurant Altes Gasthaus Leve.
Täuferkörbe als Wandschmuck im Alten Gasthaus Leve.