Zum Jahreswechsel 2025 auf 2026 wünsche ich euch allen von Herzen alles Gute! Möget ihr optimistisch bleiben und möge euer persönliches Neues Jahr friedlich werden.

In unseren Kreisen ist es üblich, am Ende des Jahres noch einmal über das Jahr nachzudenken und sich allerlei Gutes vorzunehmen für das nächste. Viele Menschen erfreuen sich an ihren Traditionen zum Jahreswechsel. Bleigießen kenne ich zum Beispiel auch noch aus meiner Kindheit.


Swonild Ilenia Genovese, Titina & Friends (Quelle: postcardsmarket Onlineshop, Klick!)

Vielfältige Symbole des Glücks werden zum Jahresende / Jahresbeginn verschenkt: Schornsteinfeger, vierblättrige Kleeblätter, kleine Schweine aus Marzipan usw.
Schweine haben in Nördlingen im Ries, wo es auf der St. Georgskirche mit dem Turm „Daniel“ natürlich auch Türmer gibt, übrigens ganzjährig Symbolsaison – über Nördlingen schrieb ich zum Beispiel hier, Klick! (Die Turmkatze Frau Wendelstein ist mittlerweile in Rente gegangen…)


Das mit guten Gründen wieder sehr stark kritisierte und zunehmend hinterfragte Silvesterböllern ist ursprünglich auch so eine uralte Tradition – Lichter und Lärmen sollte die bösen Geister des alten, vergangenen Jahres vertreiben. 



In frühen Zeiten, in denen die Menschen noch nicht viel über Feinstaub wissen konnten, sangen auch die Nachtwächter auf ihrer Runde durch die Städte über das neue Jahr und verkündeten gute Wünsche. Bei Eiseskälte sangen sie sehr schnell oder sehr kurze Lieder, und weiter ging’s. Trinkgeld und Waffeln gab es aber hoffentlich immer!

Eine andere Art der Brauchtumspflege ist unter anderem aus Nienberge bekannt: Dort wurde in der Schmiede auf den Amboss eingeschlagen – beim sogenannten Neujahrshämmern!

Der überregional sehr bekannte Schmied und Riese Grinkenschmidt wird vor allem mit Altenberge verbunden, der Schützenverein (Klick!) ist nach dem berühmten Riesen benannt, die Bänkelsängerin Gudrun Gunia (Klick!) hat über ihn einen Ohrwurm komponiert und zahlreiche weitere Spuren zeugen von der schmiedetechnisch sehr gut aufgestellten Gegend.

Insofern passt es hervorragend, dass man mir in dieser Region vom Neujahrshämmern erzählte. Dazu fand ich folgendes:

Dietmar Sauermann (Klick!) lässt in seinem Buch Weihnachten in Westfalen um 1900 authentische Zeitzeugen zu Wort kommen, die auch von Jahreswechsel-Traditionen berichten. Zitiert werden Berichte aus dem Archiv für westfälische Volkskunde:

Adolf Risse, Jahrgang 1919, aus Nienberge, erzählt von der Pflugschmiede Tegeler (Häger).

"Aus seiner Heimat Eggerode brachte Senior Tegeler das nun beschriebene Silvesterbrauchtum mit. Mit seinen vielen Gesellen scharte er sich um den Amboß und begann mit dem Meistergesellen oder dem ältesten Gesellen ein lustiges Ping-Pong im Takt. Zur Jahreswende selbst gab er dann die zwölf Schläge mit dem Vorhammer auf diesen Amboß ... , während das Hämmerschlagen zuvor das Aushämmern des alten Jahres bedeuten sollte. Sein ältester Sohn Bernhard ... hat diese Sitte übernommen. Und er übt sie auch weiterhin aus. So fand sie auch 1959/60 statt. Als nun 1958/59 der Funkwagen anbrauste, der nach zuvoriger Anmeldung gekommen war, hatte man dieses Silvesterhämmern um fast fünf Stunden vorverlegt, nachdem die Funkreporter [vom WDR, Anmerkung Türmerin] darum gebeten hatten. Die kurzfristig zuvor gemachte Ankündigung hatte sich rund gesprochen, so daß viele Neugierige auch zu dieser Stunde gekommen waren. Die große Schmiede war voller Menschen. Aber auch zu der sonstigen Silvesterfeier am Amboß um Mitternacht finden sich stets mehrere Schau- und Hörlustige ein, Nachbarn, Freunde etc., sowie auch Gäste aus der benachbarten Wirtschaft, die eigens deswegen gekommen sind ... , so daß es also nie an Menschen fehlt. Schließlich kommen auch noch die Bläser hinzu, die sich seit Jahren stets am Bahnhof auch deshalb zu den Übungsstunden, die neuerdings im Bahnhofswartesaal (!) stattfinden, einfinden, weil der Dirigent der Schmiede benachbart wohnt. Mit ihm kamen nun weitere Bläser hinzu, so war das Orchester beisammen, das das seit je gesungene Lied 'Großer Gott, wir loben dich!' nun instrumental begleitete . Diese musikalische Begleitung datiert aber erst aus den letzten Jahren, wie überhaupt diese Silvestersitte, nachdem sie an die größere Glocke gekommen ist, etwas vom 'Schau-Getriebe' angenommen hat. Dennoch ist der Kern der gleiche, wie er all die Jahrzehnte in der 'Stille' dieser Schmiede, sofern man bei diesem Hämmern von Stillsein sprechen kann, gewesen ist. Stets war und blieb das Taktschlagen und das Aushämmern und das Vorhammerschlagen das Anrecht des Meisters, das der Senior bis wenige Monate vor seinem Tode noch getan hat. In der Eggeroder Heimat aber soll dieses Brauchtum längst ausgestorben sein..."

Wie es sich heutzutage in der ehemaligen Nienberger Schmiede am Johannisberg so lebt, könnt ihr im MÜNSTER! Magazin sehr interessant nachlesen: Klick! (Diese Schmiede ist allerdings nicht diejenige in den Archiv-Erinnerungen; das war nämlich die Schmiede Tegeler im Ortsteil Häger!)

Klasse Sache mit dem Neujahrshämmern, war bestimmt ein riesiger Spaß!


Als Türmerin bin auch ich der guten alten Tradition verpflichtet und tute das neue Jahr besonders schön an! Und vorher wird in der Turmstube das alte Jahr ebenfalls musikalisch verabschiedet, mein Lieblingslied dafür ist „Should auld aquaintance be forgot (Auld lang syne)“ nach Robert Burns – beziehungsweise ebenso schön die deutsche Version: „Nehmt Abschied, Schwestern/Brüder“, das nicht nur die Pfadfinderbewegung gerne als Abschiedslied intoniert, sondern auch die Türmerinnenbewegung!
Und wenn ihr wissen wollt, warum Silvester 1922 so ein besonderes Jahr in Bezug auf den Türmer von Münster war, könnt ihr dies hier nachlesen, klick!

In diesem Sinne – alles erdenkliche Gute! Tuuuuuuuuut!

Eure Türmerin von Münster.